Das Geräusch des an den Pfosten knallenden Balles hallt noch immer in Makandas Ohr. „In dem Moment wusste ich, dass er reingeht“, erinnert sich der kernige Angreifer nur zu gerne an seinen Treffer zum 3:1 im Finale gegen Borussia Dortmund. Kurz vor Schluss hatte Makanda für die endgültige Entscheidung im DM-Finale gesorgt, als er Florian Michelers Querpass direkt verwandelte. „Alle sind auf mich zugestürmt, ein großartiger Moment.“

Makanda hatte bereits in beiden Halbfinal-Spielen gegen Borussia Mönchengladbach getroffen. Somit ist er nach Philipp Hofmann (Schalke 04, 2012), dem damaligen Hoffenheimer Joshua Mees (2015) sowie seinem letztjährigen Teamkollegen Paul Hennrich der einzige A-Jugendliche, dem das Kunststück gelungen ist, in allen drei K.o.-Spielen einzunetzen.

Blessing Miguel Makanda Maleko, wie er mit vollem Namen heißt, wurde am 14. Februar 2006 in Angolas Hauptstadt Luanda geboren und kam mit sechs Jahren nach Deutschland. „Weil ich die Sprache nicht konnte, habe ich anfangs sehr wenig gesprochen. Vielleicht bin ich deswegen auch heute noch eher der ruhige Typ.“ Der junge Blessing lernte schnell Deutsch und trat bald der SG Rosenhöhe Offenbach bei, um es seinem fünf Jahre älteren Bruder Jabez nachzumachen, und spielte mit späteren TSG-Kollegen Tebo Gabriel und Abba Camara zusammen in einem Team.

„Wir haben an internationalen Turniere teilgenommen und dabei gegen große Klubs wie Juventus Turin, Bayern München oder Manchester City gespielt. Nach zwei Jahren bin ich dann mit dem Trainer und vier Mannschaftskollegen zu Kickers Offenbach gewechselt“, blickt Makanda auf eine Zeit zurück, in der er sich rasant entwickelte. Auch beim OFC durfte er sich in Tests mit internationalen Vorzeigevereinen ins Schaufenster stellen und geriet schließlich ins Visier des 1. FSV Mainz 05, der ihn an den Bruchweg holte. „Mainz ist eine Top-Adresse, ich konnte weiter in Offenbach wohnen und wurde mit dem Bustransfer abgeholt. Ich hatte eine gute Zeit.“

Bruder Jabez als erste Bezugsperson

Bruder Jabez hatte mittlerweile einen Profivertrag bei Eintracht Frankfurt unterschrieben und nahm den damals zwölfjährigen Blessing unter seine Fittiche. Bis heute ist Jabez die Bezugsperson Nummer eins für den Hoffenheimer. Den Durchbruch bei der Eintracht schaffte er nicht, später absolvierte er Drittliga-Einsätze für Alemannia Aachen und steht heute beim VfR Mannheim unter Vertrag.

Jabez war es auch, der „Bless“ zu einem Wechsel zur TSG riet. „Ich bin ehrlich, ich war anfangs nicht überzeugt, weil es Angebote aus ganz Deutschland gab“, sagt Makanda. „Als mich mein Bruder aber hierherbrachte und mir die Verantwortlichen die herausragende Infrastruktur zeigten sowie einen Plan vorlegten, war mir klar, dass das der richtige Schritt ist.“

In Hoffenheim startete Makanda im Sommer 2021 als U16-Spieler in der U17. Und hier kreuzten sich auch wieder seine Wege mit Max Moerstedt, der ebenfalls als Jungjahrgang in der U17 ran durfte. „Wir kennen uns, seit wir elf sind, weil wir oft gegeneinander gespielt haben. Über Insta sind wir immer in Kontakt geblieben“, so Makanda. Und in Hoffenheim wurde daraus eine echte Freundschaft. „Es hat etwas gedauert, bis ich mir einen Stammplatz erkämpft habe, aber im zweiten U17-Jahr wurden wir Süddeutscher Meister“, blickt Makanda auf die Saison unter Trainer Carsten Kuhn zurück. Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfL Wolfsburg fiel er im ersten Spiel (4:3) krankheitsbedingt aus, traf aber im Rückspiel zur frühen Führung. Am Ende zogen Makanda und Co. allerdings nach Elfmeterschießen den Kürzeren.

Die darauffolgende Saison ließ keine Wünsche offen. Als junger Jahrgang in der U19 pflasterte er den Weg zum Double mit wettbewerbsübergreifend 16 Toren. „Das schönste Spiel war das Halbfinal-Hinspiel in Mönchengladbach“, sagt Makanda. Bei jenem 6:2 fegten die Hoffenheimer wie ein Tornado über den Fohlenplatz, Makanda traf nach wenigen Minuten zum 1:0, bereitete kurz darauf für Kumpel Moerstedt vor und traf ein weiteres Mal. Bei den Gedanken an diesen Tag im Mai leuchten seine Augen. „Aber natürlich war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft das größte Gefühl. Das erleben zu dürfen, ist einmalig. Wir hatten eine brutale Qualität und haben reifen Männerfußball gespielt, das war unser Schlüssel zum Erfolg. Und wenn mal etwas schiefgelaufen ist, war hinten immer einer, der das ausgebügelt hat. Wir konnten uns alle aufeinander verlassen.“

Fokus auf Comeback

Als angolanischer Staatsbürger durfte Makanda nicht für ein Nachwuchsteam des DFB auflaufen. Zwar war er mal bei einem Lehrgang dabei, Länderspiele durfte er jedoch nicht bestreiten. „Mein Herz schlägt für Angola, schließlich ist es mein Geburtsland. Ich fühle mich aber auch als Deutscher, denn diesem Land habe ich viel zu verdanken, vor allem meine Schulbildung.“ Makanda hat mit Unterstützung von „Anpfiff ins Leben“ die Mittlere Reife an der Kraichgau-Realschule absolviert.

Derzeit wohnt Makanda mit Teamkollege Marlon Faß in einer WG in Zuzenhausen und büffelt für die Führerscheinprüfung. Für ihn persönlich läuft diese Saison nicht ganz so rund. Einerseits sammelte er internationale Erfahrung bei vier Youth-League-Einsätzen und steuerte zwei Tore bei, andererseits zog er sich vor wenigen Wochen eine hartnäckige Verletzung zu, die ihn wahrscheinlich für den Rest der Saison außer Gefecht setzen wird. Das Comeback feiert er dann im Herrenbereich.

„Natürlich ist das ärgerlich, aber ich kann es nun mal nicht ändern. Es ist meine erste schlimme Verletzung, und ich werde gestärkt zurückkommen. Im Moment halte ich mich mit Ausdauer- und Beweglichkeitstraining fit“, bleibt Makanda positiv. Seine im Trainingszentrum der Profis begonnene Reha setzt er nun bei einem Spezialisten in Landau fort. In der Saison 2025/26 will er wieder neu angreifen, dann in der U23. „Mein Ziel ist es, so hoch wie möglich zu spielen. Ich schaue viel Bundesliga, aber auch spanischen und englischen Fußball.“ Eines Tages in der Premier League zu spielen, daraus macht er keinen Hehl – das wäre ein Traum. Oder „einfach“ nur in die Fußstapfen anderer Angolaner treten, wie etwa Eduardo Camavinga (Real Madrid) oder Rafael Leão (AC Mailand). Das hätte was.

In Hoffenheim hat „Bless“ schon jetzt seine Spuren hinterlassen. Wegen seines Treffers zum 3:1 gegen Borussia Dortmund, aber auch aufgrund seiner professionellen Einstellung und zurückhaltenden Art.

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